Die Theorie hast du am Schreibtisch im Griff, aber in der Praxis zählt, was du am Boot kannst. Du fährst mit einem Prüfer an Bord, legst an und ab, rettest eine Person aus dem Wasser und machst Knoten. Was genau verlangt wird, steht in der Sportbootführerscheinverordnung (SpFV).

Dieser Artikel zeigt dir, welche Manöver Pflicht sind, wie bewertet wird, was in der Verordnung offen bleibt und worauf du bei Mann über Bord achten solltest. Die Knoten haben einen eigenen Artikel, die Theorie ebenfalls. Stand: Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf Binnenschifffahrtsstraßen mit Motor sind drei Manöver Pflicht: Rettungsmanöver (Mensch über Bord), Anlegen und Ablegen.
  • Dazu kommen weitere Fahraufgaben und die Knoten: Von maximal sieben verlangten Knoten müssen sechs sitzen.
  • Für jedes Manöver und jeden Knoten hast du zwei Versuche.
  • Die SpFV nennt keine feste Prüfungsdauer und keine festen Kommandos. Beides klärst du mit deiner Ausbildungsstätte.
  • Alle Prüfungsteile müssen innerhalb eines Jahres bestanden sein, ein durchgefallener Teil kann nicht am selben Tag wiederholt werden.

Wie die Praxisprüfung aufgebaut ist

Du musst nachweisen, dass du die Fahrmanöver und Fertigkeiten beherrschst, die für die sichere Führung eines Sportbootes nötig sind.1 Der Inhalt der Prüfung richtet sich nach Antriebsart und Geltungsbereich des Scheins. Theorie und Praxis können zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden.2

Für den Sportbootführerschein Binnen unter Motor besteht die Praxis aus drei Teilen:

  1. den Pflichtmanövern,
  2. den sonstigen Fahraufgaben,
  3. den Knoten.1

Der Kompass und das Peilen gehören nur zur Prüfung für Seeschifffahrtsstraßen. Auf Binnen musst du sie nicht nachweisen.1 Die Segel-Erweiterung hat eigene Manöver und ist ein eigenes Thema.

Die drei Pflichtmanöver

Diese drei Manöver musst du alle mit ausreichendem Ergebnis fahren. Fällt eines durch, ist der Praxisteil nicht bestanden.1

Rettungsmanöver (Mensch über Bord)

Du holst eine Person aus dem Wasser zurück an Bord, wie im Ernstfall. Mehr dazu im Abschnitt zu Mann über Bord weiter unten.

Anlegen

Du bringst das Boot unter Motor an die Anlegestelle, etwa an einen Steg oder eine Boje.3

Ablegen

Du verlässt die Anlegestelle unter Motor wieder.1

Wie Anlegen und Ablegen im Einzelnen auszusehen haben, schreibt die Verordnung nicht vor.1 Für Details verweisen die Prüfungsausschüsse auf die Ausbildungsstätten.4

Weitere Fahraufgaben

Neben den Pflichtmanövern gibt es fünf weitere Aufgaben. Aus ihnen werden dir drei gestellt, zwei davon musst du ausreichend erfüllen.15

  • kursgerechtes Aufstoppen
  • Wenden auf engem Raum
  • Steuern nach Schifffahrtszeichen oder Landmarken
  • Anlegen einer Rettungsweste oder eines Sicherheitsgurts
  • Manöverschallsignal

Das heißt: Du solltest alle fünf können. Welche drei kommen, entscheidet die Prüfung, nicht du. Auch hier gilt für jede Aufgabe die Regel mit den zwei Versuchen.1

Mann über Bord

Die SpFV nennt für das Rettungsmanöver nur den Namen und die Pflicht. Eine Beschreibung der Fahrfigur und feste Kommandos stehen dort nicht.1 Allgemein gilt für ein Motorboot, dass beim Alarm diese Dinge sofort passieren:

  1. Wer die Person fallen sieht, ruft laut "Mann über Bord", damit alle an Bord es hören.
  2. Der Motor wird sofort ausgekuppelt, damit die Schraube niemanden verletzt.
  3. Ein Rettungsmittel wie ein Rettungsring oder eine Boje wird zur Person geworfen.
  4. Eine Person an Bord behält die Person im Wasser ständig im Blick und zeigt auf sie.6

Zum Zurückfahren nennt die Fachliteratur unter anderem den Einzeldreh, den Williamson-Turn und den Scharnow-Turn.6 Welche Variante dein Prüfungsausschuss sehen möchte, steht nicht in der Verordnung. Frag das vor der Prüfung bei deiner Ausbildungsstätte oder deinem Prüfungsausschuss nach.4

Auch eine Person im Wasser an Bord zu bekommen, ist schwer. Ein nasser Erwachsener kann rund 100 Kilogramm wiegen.6

Prüfer, Boot und Dauer

Wer prüft?

Die Prüfungskommission besteht aus einem Vorsitzenden und mindestens einem weiteren Prüfer. Wer dich vorher unterrichtet hat oder an deiner Ausbildungsstätte lehrt, darf dich nicht prüfen. Bei mehreren Prüfern entscheidet die Mehrheit, über den Verlauf wird ein Protokoll geführt.2 Für den Sportbootführerschein Binnen sind die Prüfungsausschüsse des Deutschen Motoryachtverbandes zuständig.7 Für die Praxis gibt es ein einheitliches Protokollformular.5

Welches Boot?

Du bringst ein geeignetes Sportboot samt Bootsführer selbst mit. Es muss den Anforderungen der Anlage 5 entsprechen.2 Dazu gehören Platz für dich, den Bootsführer mit der nötigen Fahrerlaubnis und mindestens ein Mitglied der Prüfungskommission. Außerdem braucht jede Person an Bord eine Rettungsweste, und die Maschine muss mehr als 11,03 Kilowatt (Verbrennungsmotor) bzw. 7,5 Kilowatt (Elektromotor im Dauerbetrieb) leisten.8

Wie lange dauert es?

Eine feste Prüfungsdauer nennt die SpFV nicht.12 Frag bei deiner Anmeldung beim Prüfungsausschuss nach dem Zeitfenster.

Bewertung und Versuche

Für jedes Manöver und jeden Knoten hast du zwei Versuche. Das Ergebnis muss "ausreichend" sein.1 Die Knoten sind ein eigener Teil: Von maximal sieben verlangten Knoten müssen sechs ausreichend ausgeführt und ihre Verwendung richtig erklärt werden.1 Welche Knoten das sind, steht in unserem Artikel zu den Knoten.

Alle Prüfungsteile müssen innerhalb eines Jahres bestanden sein, die Frist beginnt mit dem Antritt der ersten Teilprüfung. Ein nicht bestandener Teil kann nicht am selben Tag wiederholt werden.2

Hast du schon einen Sportbootführerschein, musst du bereits geprüfte Fähigkeiten nicht noch einmal nachweisen. Teile, die bei einem Prüfungsausschuss des anderen Verbands abgelegt wurden, werden aber nicht anerkannt.5 Wer den SBF See hat, kann die Praxis für Binnen unter Umständen auslassen.4 Prüfe das vor der Anmeldung bei deinem Prüfungsausschuss.

Häufige Fragen

Muss ich in der Praxis alle Manöver bestehen?

Die drei Pflichtmanöver Rettungsmanöver, Anlegen und Ablegen musst du alle bestehen. Bei den weiteren Aufgaben genügen zwei von drei gestellten.1

Wie oft darf ich ein Manöver versuchen?

Für jedes Manöver und jeden Knoten sind zwei Versuche erlaubt.1

Kann ich die Praxis am selben Tag wiederholen?

Nein. Ein nicht bestandener Prüfungsteil darf nicht am selben Tag wiederholt werden.2

Wer stellt das Boot?

Du selbst. Du bringst ein geeignetes Sportboot mit Bootsführer mit, das die Anforderungen der Anlage 5 erfüllt.2

Wie viel Zeit habe ich für alle Prüfungsteile?

Ein Jahr ab dem Antritt der ersten Teilprüfung.2 Wie viele Fragen die Theorie hat und wie du dich darauf vorbereitest, zeigt die Übersicht aller Prüfungsfragen. Zahlen zu Kosten und Durchfallquoten findest du im Statistikartikel.

Quellen

Alle Angaben stammen aus der Verordnung und den Seiten der zuständigen Stellen, Stand der Abrufe Oktober 2026.

  1. Sportbootführerscheinverordnung (SpFV), Anlage 4: Praktische Prüfung (gesetze-im-internet.de)
  2. Sportbootführerscheinverordnung (SpFV), § 8 Prüfung (gesetze-im-internet.de)
  3. Wikipedia: Sportbootführerschein Binnen (de.wikipedia.org)
  4. Prüfungsausschuss München/Nürnberg: FAQ (pa-muenchen.de)
  5. ELWIS: Anlage 4, Praktische Prüfung zum Erwerb des Sportbootführerscheins (elwis.de)
  6. Wikipedia: Mann-über-Bord-Manöver (de.wikipedia.org)
  7. Deutscher Motoryachtverband: Sportbootführerschein Binnen (dmyv.de)
  8. Sportbootführerscheinverordnung (SpFV), Anlage 5: Ausstattung des Prüfungsbootes (gesetze-im-internet.de)